Über den Rotfuchs
Leider leben wir in einer Zeit, in der wir Jäger unser Handeln gegenüber einer immer kritischeren und naturfernen Öffentlichkeit rechtfertigen müssen. M. E. sind wir Jäger gut beraten, wenn wir uns in der Argumentation auf wissenschaftliche Erkenntnisse berufen. Ferner dürfte der Jagderfolg bei Berücksichtigung der nachfolgenden wissenschaftlichen Ergebnisse auch größer sein. In diesen Tagen läuft bei den Füchsen die Ranz ab. Der Wildbiologe Felix Labhardt hat den Ablauf näher untersucht: Die Ranz findet etwa von Ende Dezember bis Anfang Februar statt. Sie beginnt damit, dass die Fähe in ihrer Läufigkeit für ca. 10 Tage Geruchsstoffe, sogenannte Pheromone, absondert. Diese haben die Aufgabe, die Rüden über die dicht bevorstehende Hitze zu Informieren. Die Pheromone führen dazu, dass die Rüden aus z.T. einigen Kilometern Entfernung herbeilaufen. Jetzt hören wir das "Bellen" der Füchse. Dies dient der genauen Lokalisierung der Fähe. Haben sich Rüde und Fähe gefunden, folgt er ihr auf Schritt und Tritt. Dabei nimmt der Rüde kaum Nahrung auf. In dieser Phase ist die Fähe nicht begattungsbereit, die Rüden sind untereinander friedlich und die ganze Gesellschaft steckt u.U. in einem Bau. Die Fähe beißt die Rüden ab. Die Phase, in der die Fähe erfolgreich belegt werden kann, ist nur 3 Tage lang, unabhängig von der Witterung. Der Eisprung kann nicht von der Fähe hinausgezögert werden. Eine Fähe, die in einem Freilandgehege gehalten wurde, ließ sich in drei aufeinander folgenden Jahren am gleichen Tag begatten und warf exakt nach jeweils 52 Tagen. Ist nun die Fähe begattungsbereit, kommt es zu ritualisierten Kämpfen zwischen den Rüden, denn es soll nur der Rüde mit den besten Eigenschaften zum Zug kommen. Wenn die Fähe "bereit" ist, lässt sie sich das Beknabbern am Fang und an den Vorderlaufen durch den Rüden gefallen. Er testet sie mit dem Auflegen der Vorderbrante auf ihrem Rücken. Nach der Kopulation hängen dann Fähe und Rüde für ca. 30 min aneinander. Dies muss unter freiem Himmel erfolgen, da im Bau nicht ausreichend Platz ist. Eine Fähe kann auch von mehreren Rüden erfolgreich begattet werden. Nach der Befruchtung stoppt die Pheromonabgabe und die Altfüchse ziehen innerhalb ihres Territoriums ihren eigenen Weg.
In Jägerkreisen wird immer wieder über den Nahrungsbedarf der Füchse philosophiert. Ein erwachsener Fuchs benötigt täglich 850 Gramm Nahrung. Das sind jährlich 310 Kilogramm, davon 124 kg Fleisch. Der Fleischanteil wird auch aus seiner Niederwildstrecke abgedeckt. Wissenschaftlich nicht direkt bewiesen ist der Anteil an gesundem Niederwild. Die Wildbiologen Dr. Guthörl und Dr. Kalchreuter haben in Räuberausschlussversuchen auf allen untersuchten Gebieten nachgewiesen, dass mit reduziertem Prädatorendruck die Niederwildbesätze um ein mehrfaches höher waren als in vergleichbaren Gebieten mit unbeeinflusster Prädatorenfauna. So wurde in einem militärischen Sperrbezirk, der durch einen 2,5 m hohen Zaun hermetisch abgeriegelt war, auf einer Fläche von 22 ha eine maximale Hasenstrecke von 110 Hasen erzielt. Der Besatz sank erst, als die Marder das Gelände erschlossen. Auf der Insel Föhr ist die Hasenstrecke 3-4 Mal so hoch wie auf dem Festland, obwohl die klimatischen, landwirtschaftlichen und Bodenverhältnisse gleich sind. Die Prädatoren sind auf der Insel wie auf dem Festland vorhanden. Mit einem Unterschied: auf Föhr gibt es keine Füchse. Und der Hase gehört zu den Hauptbeutetieren des Fuchses. Wegen des günstigeren Verhältnisses zwischen Aufwand und Ertrag bei der Jagd zieht der Fuchs den Hasen als Beute gegenüber den viel kleineren Mausen vor, auch dann, wenn der Hasenbesatz niedrig und der Mäusebesatz hoch ist. Der Fuchsbesatz kann entgegen der vielfach geäußerten Vermutung ein Anschnellen der Mausepopulation nicht verhindern. Der Hase hat in weiten Teilen Deutschlands ein Bestandstief erreicht, aus dem er auch bei besten Nahrungs- und Deckungsverhältnissen nicht herauskommt, solange eine derart hohe Fuchsdichte besteht. Anders formuliert: Durch keine Einzelmaßnahme ist das Hasenvorkommen effektiver zu steigern als durch die Reduktion des Fuchses. Ein vielfach versuchter Bejagungsverzicht oder ein Bejagungsverbot erbrachte keine Besatzbesserung. Mit der Frage, ob die Füchse auch einen Einfluss auf das Rehwild ausüben, setzen sich die zwei norwegischen Wissenschaftler Ronny Aanes und Reidar Andersen auseinander. Auf einer Insel in Norwegen wurden alle Kitze mit Telemetriegeräten ausgestattet. 50% aller Kitze wurden zwischen dem 1. und 45. Lebenstag gerissen. Erstaunlich war das Geschlechterverhältnis bei den gerissenen Stücken: Es wurden 4 Mal so viele Bockkitze gerissen wie Rickenkitze. Und nicht nur das Niederwild ist betroffen: Mit Hilfe von Temperaturmesssonden an Gelegen von Wiesenbrutvögeln (Kiebitz, Brachvogel) konnte im Raum Bremen nachgewiesen werden, dass ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Gelege nachts kalt wurde, so das der Bruterfolg ausblieb. Diese Störungen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den hohen Raubwilddruck zurückzuführen. Dies ist wieder ein Argument, dass die Fuchsbejagung einen aktiven Beitrag zum Natur- und Artenschutz darstellt. Nach Prof. Müller werden seltene und begehrte Beutetiere bis zur örtlichen Ausrottung vom Fuchs mitgenommen. Während der Brut- und Aufzuchtzeit ist der Prädatorendruck auf das Niederwild besonders groß. Der Anteil der großen Beutetiere des Fuchses ist erheblich größer. Zudem schleppt der Fuchs in der Aufzuchtzeit seiner Welpen mehr Beute heran, als diese fressen können. In dieser Zeit ist der Fuchs kaum wählerisch. Nach seiner Auffassung kann die Fuchspopulation gegenwärtig nur mit viel intensiveren Flächendeckenden jagdlichen Maßnahmen, die auch den Fallenfang und die Jungfuchsbejagung am Bau umfassen, reduziert werden.
Die Welpen (nach Felix Labhardt: Der Rotfuchs
Die Trächtigkeit der Fähe dauert 52 Tage. Der Wurftermin liegt etwa Anfang April. Dann bringt
die Fähe 4 - 6 Junge, nur selten bis zu 10 Welpen zur Welt. Die durchschnittliche Welpenanzahl
beträgt 5, das Geschlechterverhältnis beträgt 1:1 . Der Vorgang des Werfens
muss nicht im Bau stattfinden, er kann auch im Freien stattfinden. Die Fähe
verlässt in den ersten 2 - 3 Wochen nur selten den Bau, da die Welpen nur über
eine unterentwickelte Temperaturregulation verfügen und sehr empfindlich gegenüber
Kälte und Nässe sind. Die Fähe wird dann vom Rüden versorgt, sofern er
vorhanden ist. Wie im richtigen Leben gibt es auch hier Alleinerziehende. Es
gibt Rüden. die sich nicht um die Welpen kümmern, einige Rüden sind durch Unfälle
u. dergleichen nicht mehr am Leben, andere haben mehrere Fähen beglückt und können
nicht all ihren Nachkommen gerecht werden. Es gibt auch Fähen, die verwaiste Würfe
adoptieren. In seltenen Fällen nutzen zwei Fähen einen Bau gemeinsam.
Zurück zu den Welpen. Diese öffnen im Alter von zwei Wochen die Augen, sie haben eine
graubraune Farbe. Nach insgesamt drei Wochen brechen die Zähne durch. Im Alter
von etwa vier Wochen verlassen die Welpen unter Aufsicht der Fähe erstmalig den
Bau. Zunächst sind die Welpen empfindlich gegenüber Geräuschen, dann siegt
die Neugierde und sie schleichen die ihnen fremden Objekte wie Büsche, Blumen
und dergl. an. Bei Abwesenheit der Fähe bleiben die Welpen anfangs im Bau. Später
laufen ihre Aktivitäten immer in drei Phasen ab. In der ersten Phase kommt der
Jungfuchs vorsichtig aus dem Bau, sichert, fährt wiederholt zu Bau um dann bald
erneut zu erscheinen. In der zweiten Phase spielen die nun fahlbraunen Jungfüchse.
Sie testen ihre eigenen Fähigkeiten, greifen sich gegenseitig an und packen zu,
sie sind auch aggressiv untereinander, sie graben und legen Spielplätze an, sie
streiten, wobei ihr Keckern zu hören ist. Die dritte Phase zeichnet sich
dadurch aus, dass die auf sich allein gestellten Jungfüchse ihre Umgebung
erkunden. Im Alter von 6 Wochen entfernen sie sich schon bis zu 50 m vom Bau.
Nach Prof. Müller und Prof. Pohlmeyer werden wir Jäger ein weiteres Anwachsen
der Fuchspopulation nur dann verhindern können, wenn wir den Zuwachs bei der
Jungfuchsbejagung am Bau abschöpfen. Ich kann Ihnen aus Erfahrung die Bejagung
der Jungfüchse mit dem brauchbaren Erdhund nur wärmstens empfehlen. Bei
geringem Zeitaufwand erzielen Sie damit eine höhere Strecke als mit zahlreichen
Ansitzen. Diese Maßnahme entlastet das Niederwild am meisten, da deren
Reproduktion dann auch deutlich höher ist und der Prädatorendruck zu dieser
Zeit am höchsten ist. Zurück zum Geschehen am Bau: Die Fähe, die nun auch am
Tag jagt, kann ihre Beute nicht herunterschlucken und später vor den Jungfüchsen
wieder hochwürgen, sie muss viele Gänge zur Nahrungsbeschaffung machen und
schleppt mehr Beute heran, als die Jungfüchse fressen können.
Kehrt die Fähe mit Nahrung zum Bau zurück, entbrennt eine Rivalität um das Futter.
Die Jungfüchse versuchen der Fähe zu folgen. Diese wehrt anfangs knurrend
ihren Nachwuchs ab schließlich gibt sie nach und weist den Jungfüchsen eine Fläche
zur Mäusejagd zu. Die Jungfüchse lernen von den Altfüchsen, aber dies ist
keine Notwendigkeit. Ende Mai oder Anfang Juni zieht die Fuchsfamilie ins Feld. Die Jungen
sind nun dämmerungs- und nachtaktiv, ihr Aktionsradius nimmt zu. Im Sommer und Frühherbst haben
die Jungen ein Streifgebiet von höchstens 70 ha.
Wanderungsbewegungen
Diese finden nach Funk von September bis November statt. Schwerpunkt ist der Oktober.
Vorwiegend Jungfüchse wandern ab. Gründe und Bedeutung sind nicht voll geklärt.
Vermutlich führt die einsetzende Geschlechtsreife der Jungfüchse zu mehr
Stress untereinander und den Altfüchsen. Im Herbst verringert sich durch den
„Ernteschock" das Nahrungsangebot. Biologisch soll dadurch Inzucht
vermieden werden und die Dichte, die durch Bejagung und Krankheiten nicht gleich
ist, ausgeglichen werden. Altfüchse wandern selten, vermutlich nur bei extremen
Nahrungsmangel und einer Verschlechterung der Lebensgrundlagen. Von der
Abwanderung sind fast alle Jungrüden, aber nur ein Teil der Jungfähen
betroffen. Die Abwanderung verläuft in drei Phasen. Die erste zeichnet sich
durch eine schnelles Tempo in gerader Richtung entlang Landschaftsstrukturen wie
Tälern, Flüssen, Wald aus. Dabei wird das Durchqueren von Wäldern und
Siedlungsbereichen gemieden, kleine Flüsse (25 m Breite) werden durchschwommen,
Brücken genutzt und Autobahnen überquert. Deshalb werden nun auch viele Füchse
überfahren. In der zweiten Phase der Wanderung ist das Tempo langsamer und die
Bewegung ungerichteter. Nun versuchen die Jungfüchse einen Überblick über die
Bestandsdichte, Nahrung, Deckung und Verstecke zu bekommen. Die dritte Phase ist
die Etablierung in einem neuen Gebiet. Bei dem überwiegenden Teil der Jungfüchse
ist die Wanderung binnen einer Woche abgeschlossen. Die Rüden legen größere
Entfernungen zurück als die Fähen. Die zurückgelegten Entfernungen liegen
zwischen einigen Kilometern bis zu 400 km Innerhalb des ersten Lebensjahres
versterben 60 - 80 % aller Jungfüchse. Diese von Felix Labhardt
ermittelten Feststellungen zum Thema Wanderungsbewegungen decken sich im
wesentlichen mit einem Forschungsbericht aus dem Nationalpark Berchtesgaden.
Verhalten in Raum und Zeit
Generell sind Füchse dämmerungs- und nachtaktiv. Dies hat vermutlich den Zweck, dem Menschen
auszuweichen und leichter Jagd auf begehrte Beutetiere wie z. B. dem ebenfalls dämmerungs-
und nachtaktiven Hasen machen zu können. Der Aktivitätsbeginn liegt abends
nach Sonnenuntergang und morgens nach Sonnenaufgang, da dann in der Regel wenig
Menschen unterwegs sind. Von dieser Regel gibt es Ausnahmen. Bei der Aufzucht
der Jungen sind die Altfüchse auch tagaktiv. Ebenfalls in Ruhezonen, d. h. in
Gebieten, in denen der Fuchs keinen Jagd oder Spaziergängerdruck auszuhalten
hat. Doch auch bei hoher Bestandsdichte wächst der soziale Druck und die
Nahrungsbeschaffung muss auf den Tag verlegt werden. Grundsätzlich sind Füchse
nachts bei jedem Wetter unterwegs. Durch telemetrische Untersuchungen stellte
man aber fest, dass bei Eisregen und nach dem ersten Schneefall die Füchse
gerne im Bau liegen. Bei geringer Bestandsdichte meiden die Füchse bei ihren nächtlichen
Streifzügen menschliche Siedlungen. Bei höherer Bestandsdichte, so z. B. in Städten,
leben auf einer Fläche von 40 ha eine sechsköpfige Fuchsfamilie. Betrug das
Streifgebiet von zwei telemetrierten Füchsen vor einem Tollwutseuchenzug 2- 3
Quadratkilometer, so vergrößerte sich ihr Streifgebiet nach der Tollwut auf 16
Quadratkilometer, ohne das die Größe für den Nahrungserwerb notwendig gewesen
wäre. Vermutlich brauchen Füchse die Kommunikation mit ihren Nachbarn, ein
einsamer Fuchs scheint ein unglücklicher Fuchs
zu sein. Jeder Fuchs legt bei seinen Streifzügen Pausen ein. Ist das
Streifgebiet größer, so macht er weniger Pausen und legt eine längere Strecke
zurück als bei einem kleineren Streifgebiet. In Herbstnächten (Ende Oktober
bis Ende Dezember) legen Füchse die längsten Strecken pro Nacht zurück.
Vermutlich ist daran der wachsende Geschlechtstrieb und die Nahrungssuche
schuld. Bevorzugte Streifgebiete sind Weiden und Wiesen, gefolgt von Hecken und
Obstgärten. Die Grenzlinien zwischen zwei Vegetationsformen werden bevorzugt
abgesucht, hier scheint der Jagderfolg am größten zu sein. Der Wald wird als
Ruhezone am Tag genutzt, bevorzugt wird dabei ein junger, deckungsreicherer
Wald. Im Winter reduzieren die Füchse ihr Streifgebiet auf die Hälfte oder ein
Drittel des Streifgebietes im Sommer. Diese Vorgehensweise soll Energie sparen,
denn fasten ist besser als vergebliche Nahrungssuche. Auch bei sich
verschlechternden Nahrungsbedingungen bleiben Altfüchse überwiegend
territorial.